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Die hiesige Rüstungsindustrie ist in Gefahr

Oberst i Gst Michele Moor, Präsident SOG

Wie ich bereits in der ASMZ Nr. 10 geschrieben habe, umfasst die materielle Dimension der Verteidigungsfähigkeit insbe sondere die Ausrüstung – auf jeder Ebene und gegen jede Art von Bedrohung. Diese Dimension ist das Rückgrat jeder glaubwürdigen Sicherheitspolitik. Ohne funktionierende industrielle Basis, ohne die Fähigkeit, kritische Systeme selbst zu entwickeln, zu warten und im Krisenfall zu reproduzieren, kann keine Armee ihre volle Wirkung entfalten.

Der Preis der Friedensdividende
Die Schweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten zu stark auf die sogenannte Friedensdividende verlassen. In der Hoffnung auf eine stabile Weltordnung wurden Rüstungsprojekte verschoben, Industriekapazitäten abgebaut und sicherheitspolitische Risiken unterschätzt. Diese Haltung rächt sich heute. Während in Europa die geopolitischen Spannungen zunehmen und Staaten massiv aufrüsten, steht die Schweiz mit weitgehend leeren Händen da. Gerade jene Länder, die sich über Jahre auf den Frieden verlassen haben, müssen nun unter hohem Druck und zu hohen Preisen nachrüsten. Die Nachfrage nach Rüstungsgütern ist weltweit explodiert – Lieferfristen sind lang, Produktionslinien überlastet, Fachkräfte knapp. Wer keine eigene industrielle Basis hat, ist abhängig und verwundbar.

Der Niedergang einer Schlüsselindustrie
Die Schweizer Rüstungsindustrie war einst ein Symbol für Präzision, Innovation und Zuverlässigkeit. Heute ist sie in Gefahr, stillschweigend zu verschwinden. Ein Hauptgrund liegt in der aktuellen Gesetzgebung, die Exporte übermässig einschränkt und damit die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe zerstört. Die Abwanderung der Rüstungsproduktion ins Ausland hat längst begonnen. Firmen, die jahrzehntelang in der Schweiz geforscht, entwickelt und produziert haben, verlagern ihre Standorte oder schliessen ihre Tore. Dabei geht nicht nur wirtschaftliche Substanz verloren, sondern auch sicherheitspolitisches Know-how, das sich nicht in wenigen Jahren wieder aufbauen lässt. Das Kriegsmaterialgesetz, das im Herbst 2021 nochmals verschärft worden ist, betrifft längst nicht nur ganze Waffen- oder Systemexporte. Auch Teile und Komponenten, die oft zivilen oder dualen Charakter haben, unterliegen den gleichen restriktiven Regeln. Damit trifft die Politik auch Zulieferbetriebe, die eigentlich gar keine klassischen Rüstungsfirmen sind. Die Folgen sind weniger Aufträge, weniger Forschung, weniger Innovation – und schliesslich weniger Arbeitsplätze.

Die notwendigen Korrekturen
Vor diesem Hintergrund ist die jüngst von der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates verabschiedete Vorlage ein dringend nötiger Schritt. Sie ergänzt die pragmatische Lösung des Ständerates, die Exporte in Staaten erlaubt, welche die Werte der Schweiz teilen und dieselben internationalen Verpflichtungen im Rüstungshandel anerkennen. Schon heute gehen über 90 Prozent der Schweizer Kriegsmaterialexporte in solche Länder – stabile Demokratien, in denen Rechtssicherheit, Exportkontrolle und Transparenz gewährleistet sind. Die vorgeschlagene Lockerung schafft also keine neuen Risiken, sondern sichert lediglich den Fortbestand einer Industrie, die essenziell für unsere Verteidigungs fähigkeit ist. Der Bundesrat soll weiterhin ein Vetorecht behalten, wenn aussen-, sicherheitsoder neutralitätspolitische Bedenken bestehen. Damit bleibt die poli tische Kontrolle gewahrt. Gleichzeitig wird der Industrie die notwendige Flexibilität zurückgegeben, um konkurrenzfähig zu bleiben und in Forschung und Produktion zu investieren.

Verantwortung statt Ideologie
Das auch von der Allianz Sicherheit Schweiz breit getragene Gesetzespaket ist ausgewogen, realistisch und sicherheitspolitisch verantwortbar. Dennoch haben SP und Grüne ein Referendum angekündigt. Ein solcher Schritt wäre nicht nur kurzsichtig, sondern auch verantwortungslos. Ein Referendum würde die Umsetzung der Gesetzesänderung um Monate, wenn nicht Jahre verzögern. Diese Zeit hat die Schweiz nicht. Jeder verlorene Monat bedeutet weiteren Kompetenzverlust, weitere Abwanderung von Fachkräften, weitere Produktionsverlagerung ins Ausland. Während andere Staaten ihre Verteidigungsindustrien ausbauen, schwächt die Schweiz sich selbst – aus ideologischen Gründen. Die Linke argumentiert oft mit moralischen Grundsätzen. Doch echte Verantwortung bedeutet, die Realität anzuerkennen: Ohne industrielle Basis gibt es keine glaubwürdige Neutralität, keine sicherheitspolitische Autonomie und keine langdauernde Unabhängigkeit. Eine Armee, die im Krisenfall auf ausländische Lieferungen angewiesen ist, kann ihr Land nicht verteidigen.

Ein Aufruf zur Vernunft
Die geplante Lockerung der Ausfuhrbestimmungen ist keine Einladung zu unkontrollierten Waffenexporten, sondern eine Rückkehr zu gesundem Menschenverstand. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Forschung, Produktion und Innovation in der Schweiz bleiben – und dass das Land seine sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit zurückgewinnt. Die eidgenössischen Räte sind gefordert, dieser Vorlage zuzustimmen. Doch auch nach einem positiven Parlamentsentscheid bleibt die Gefahr, dass das Referendum den dringend benötigten Fortschritt blockiert. Wenn SP und Grüne noch einen Funken sicherheitspolitischer Verantwortung tragen, verzichten sie auf diesen ideologischen Kampf. Die Neutralität schützt man nicht mit leeren Fabrikhallen, sondern mit einer starken industriellen Basis und dem Willen, für die eigene Verteidigungsfähigkeit einzustehen. Nur so kann die Schweiz das bleiben, was sie immer war: ein unabhängiges, wehrhaftes und verlässliches Land.

L'industrie locale de l'armement est en danger

Colonel EMG Michele Moor, Président SSO

Comme je l’ai déjà écrit dans l’ASMZ n° 10, la dimension matérielle de la capacité de défense comprend notamment l’équipement – à tous les niveaux et face à tout type de menace. Cette dimension constitue la colonne vertébrale de toute politique de sécurité crédible. Sans une base industrielle fonctionnelle, sans la capacité de développer, d’entretenir et de reproduire de manière autonome des systèmes critiques en cas de crise, aucune armée ne peut déployer pleinement son efficacité.

Le prix du dividende de la paix
La Suisse s’est trop reposée, ces dernières décennies, sur le soi-disant dividende de la paix. Dans l’espoir d’un ordre mondial stable, des projets d’armement ont été repoussés, des capacités industrielles démantelées et des risques en matière de sécurité sous-estimés. Cette attitude se retourne aujourd’hui contre nous. Alors qu’en Europe les tensions géopolitiques augmentent et que les États renforcent massivement leurs forces armées, la Suisse se retrouve les mains presque vides. Ce sont précisément les pays qui ont compté durant des années sur la paix qui doivent désormais se rééquiper sous forte pression et à des coûts élevés. La demande mondiale en matériel militaire a explosé – les délais de livraison sont longs, les chaînes de production surchargées et le personnel qualifié rare. Sans base industrielle propre, un pays devient dépendant et vulnérable.

Le déclin d’une industrie clé
L’industrie suisse de l’armement fut jadis un symbole de précision, d’innovation et de fiabilité. Aujourd’hui, elle risque de disparaître silencieusement. L’une des principales causes réside dans la législation actuelle, qui restreint excessivement les exportations, détruisant ainsi la base économique de nombreuses entreprises. La délocalisation de la production à l’étranger a déjà commencé. Des sociétés qui, pendant des décennies, ont recherché, développé et produit en Suisse, déplacent leurs sites ou ferment leurs portes. Ce n’est pas seulement une substance économique qui disparaît, mais aussi un savoir-faire stratégique en matière de sécurité qu’il est impossible de reconstituer en quelques années. La loi sur le matériel de guerre, encore durcie à l’automne 2021, ne concerne plus seulement les exportations d’armes ou de systèmes complets. Des pièces et composants, souvent civils ou à double usage, sont soumis aux mêmes règles restrictives. Ainsi, la politique touche également des sous-traitants qui ne sont en réalité pas des entreprises classiques de l’armement. Les conséquences sont moins de commandes, moins de recherche, moins d’innovation – et à terme moins d’emplois.

Les corrections nécessaires
Dans ce contexte, le récent projet adopté par la Commission de la politique de sécurité du Conseil national constitue une mesure urgente et indispensable. Il complète la solution pragmatique du Conseil des États, qui autorise les exportations vers des États partageant les valeurs de la Suisse et respectant les mêmes engagements internationaux dans le commerce des armements. Déjà aujourd’hui, plus de 90 % des exportations suisses de matériel de guerre sont destinées à de tels États – des démocraties stables où l’État de droit, le contrôle des exportations et la transparence sont garantis. L’assouplissement proposé ne crée donc aucun risque nouveau, mais assure simplement la survie d’une industrie essentielle à notre capacité de défense. Le Conseil fédéral conservera un droit de veto en cas de préoccupations de politique étrangère, de sécurité ou de neutralité. Le contrôle politique demeure ainsi garanti. En parallèle, l’industrie retrouve la flexibilité nécessaire pour rester compétitive et investir dans la recherche et la production.

Responsabilité plutôt qu’idéologie
Le paquet législatif, largement soutenu par l’Alliance Sécurité Suisse, est équilibré, réaliste et défendable du point de vue sécuritaire. Malgré cela, le PS et les Verts ont annoncé un référendum. Une telle démarche serait non seulement à courte vue, mais également irresponsable. Un référendum retarderait la mise en œuvre de la modification légale de plusieurs mois, voire de plusieurs années. La Suisse n’a pas ce temps. Chaque mois perdu entraîne une perte supplémentaire de compétences, un départ accru de personnel qualifié et une délocalisation croissante de la production à l’étranger. Alors que d’autres États renforcent leurs industries de défense, la Suisse s’affaiblit elle-même – pour des raisons idéologiques. La gauche invoque souvent des principes moraux. Mais la véritable responsabilité consiste à reconnaître la réalité : sans base industrielle, il n’y a ni neutralité crédible, ni autonomie sécuritaire, ni indépendance durable. Une armée qui dépend de livraisons étrangères en cas de crise ne peut défendre son pays.

Un appel à la raison
L’assouplissement prévu des règles d’exportation n’est pas une invitation à des exportations incontrôlées, mais un retour au bon sens. Il crée les conditions permettant à la recherche, à la production et à l’innovation de rester en Suisse – et au pays de retrouver sa capacité d’action en matière de sécurité. Les Chambres fédérales sont appelées à approuver ce projet. Mais même après une décision parlementaire positive, il existe encore le risque qu’un référendum bloque un progrès pourtant indispensable. Si le PS et les Verts assument encore un minimum de responsabilité en matière de sécurité, ils renonceront à ce combat idéologique. La neutralité ne se défend pas avec des usines vides, mais avec une base industrielle forte et la volonté de garantir sa propre capacité de défense. Ce n’est qu’ainsi que la Suisse pourra rester ce qu’elle a toujours été : un pays indépendant, résilient et fiable.

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