Fraueninklusion ist von sicherheitspolitischer Relevanz

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 04-2021.

Seit Jahren setzt sich die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) für die Frauenförderung und mehr Frauen in der Armee ein. Das Thema Fraueninklusion ist nicht nur sicherheitspolitisch relevant, sondern auch wichtig und dringlich für die Zukunft der Milizarmee. Die SOG begrüsst vor diesem Hintergrund den vom VBS kürzlich publizierten Bericht zur Erhöhung des Frauenanteils in der Armee.

Der SOG ist die Frauenförderung in der Milizarmee seit Jahren ein grosses Anliegen; längst erkannte sie den Handlungsbedarf. Wiederholt unterbreitete sie dem VBS konkrete, umsetzbare Vorschläge zur Erhöhung des Frauenanteils. Diese blieben indes bisher unberücksichtigt. Der Frauenanteil in der Armee stagniert weiterhin bei sehr bescheidenen 0.7 Prozent und bei den Kaderpositionen um 1.2 Prozent. Gesellschaftliche Entwicklungen, die Abstimmung im letzten Jahr und das Jubiläum „50 Jahre Frauenstimmrecht 2021“ motivierten die SOG zu einem weiteren Schritt, verbunden mit einer entsprechenden Reorganisation Ende 2020.

Sinn und Zweck des neuen SOG-Kompetenzzentrums
Die SOG wird gemeinsam mit den KOG und Fach-OG Informationen und Themen zur Armee erarbeiten und diese auf einer Plattform allgemein zugänglich machen. Verantwortlich dafür ist das neue Ressort „Kompetenzzentrum Miliz und Wehrwille“. Seine Aufgabe ist es, eine permanente Infrastruktur zur verstärkten Sensibilisierung armeekritischer Bevölkerungsteile aufzubauen, auch mit Blick auf künftige sicherheits- und militärpolitische Abstimmungen. Das Ressort soll sich – dies eine Konsequenz des knappen Abstimmungserfolgs zu den neuen Kampfjets vom September 2020 – im Besonderen dem sicherheitspolitischen Dialog mit der Bevölkerung, namentlich den Frauen, und den SOG-Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft widmen.

Notwendiger Gesinnungs- und Kulturwandel
Das im erwähnten Ressort eingebettete Projekt „Armee und Fraueninklusion“ will erreichen, dass sich die Armee verstärkt den Bedürfnissen der Frauen anpasst. Bis jetzt hat die Armee weder strukturell noch kulturell die entscheidenden Schritte unternommen, um die Frauen in die Armee zu inkludieren. Tatsache ist, dass Frauen in der Armee noch immer auf zahlreiche Hürden, ja gelegentlich sogar auf Widerstand stossen. So sind etwa die Kasernen oft ungenügend auf zwei Geschlechter ausgelegt. Ausrüstungsgegenstände wie Rucksäcke oder Bekleidung sind nach wie vor nicht in allen Grössen verfügbar. Das sind Zeichen mangelnder Wertschätzung den dienstleistenden Frauen gegenüber. Das Problem beginnt jedoch viel früher: Viele Frauen interessieren sich gar nicht für Sicherheitspolitik, geschweige denn für die Armee. Diese Themen betreffen die Frauen jedoch genauso wie die Männer. Deshalb braucht es jetzt einen raschen Gesinnungs- und Kulturwandel, mit griffigen Massnahmen.

VBS-Bericht für mehr Frauen in der Armee
Die SOG begrüsst daher den vom VBS am 8. März, dem Internationalen Tag der Frau, vorgestellten Bericht mit den Massnahmen zur Inklusion der Frauen in der Armee. Wir unterstützen insbesondere die Vorschläge in den Bereichen Kommunikation und Information, ferner die Massnahmen für die verbesserte Vereinbarkeit von Militärdienst, Ausbildung, Beruf und Familie sowie die längst fälligen baulichen Anpassungen von Unterkünften und Räumlichkeiten. Die erneute Errichtung einer Dienststelle für Frauen innerhalb der Armee erachtet die SOG als sinnvoll. Mit Bedauern nehmen wir indes zur Kenntnis, dass ein obligatorischer Orientierungstag für Frauen abermals, gestützt auf das im Bericht erwähnte Kurzgutachten Schindler/Egli, an der Hürde der Verfassungsänderung scheitern soll. Wir wünschen uns eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Amtstermin in einem Zweitgutachten.

Die SOG arbeitet bei Bedarf gerne in den VBS-Arbeitsgruppen mit und erhofft sich einen Mehrwert aus ihrem Projekt „Armee und Fraueninklusion“ und den entsprechenden VBS-Massnahmen – dies zum Nutzen der Frauen und zum Nutzen der Armee.


Engagierter Einsatz der Frauen für die Friedensförderung
Erfreulich hoch ist mit rund 15 Prozent heute der Anteil der Frauen, die sich in militärischen Friedenseinsätzen engagieren. Das militärische Kompetenzzentrum für internationale Einsätze (Swissint) in Stans hat ein interessantes Pilotprojekt gestartet, um weibliche Swisscoy-Kontingentsangehörige in die Milizarmee zu integrieren, ohne dass sie eine RS absolvieren müssen. Dies ist aus Sicht der SOG eine gute Sache, weil Frauen nach ihrem mehrmonatigen Einsatz ihr militärisches und einsatzbezogenes Fachwissen in die Armee einbringen können. Selbst wenn wir hier nur von ein paar Dutzend Frauen sprechen: Es eröffnet sich damit auch die Chance, die Friedensförderung und Swissint generell besser mit der Armee zu verbinden.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.