Herausforderungen 2021 für die SOG

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 01/02-2021.

2020 standen die Bekämpfung der Corona-Pandemie, die Kampagnen und die Volksabstimmungen zur Beschaffung neuer Kampfflugzeuge (NKF) und gegen die Kriegsmaterial-Initiative im Zentrum der Aktivitäten der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG). Nicht minder anspruchsvoll gestalten sich die sicherheits- und armeepolitischen Herausforderungen 2021. Wir setzen alles daran, diese mit demselben Erfolg wie im letzten Jahr gemeinsam zu meistern.

Vor genau einem Jahr, im März 2020, entfaltete unsere Milizarmee in der schwierigen Bekämpfung des Corona-Virus und seiner Folgen ihre beeindruckende Leistungsfähigkeit zugunsten der Zivilgesellschaft und des Gesundheitswesens. Darauf und auch auf die beiden Abstimmungserfolge vom 27. September zur Beschaffung neuer Kampfjets und vom 29. November gegen die schädliche Kriegsmaterial-Initiative dürfen wir zu Recht stolz sein. Damit haben wir ein wichtiges Fundament gelegt für die soziale, wirtschaftliche und militärische Sicherheit der Schweiz. Nutzen wir die gute Ausgangslage, um die Themen Sicherheit und Armee in diesem Jahr noch verstärkter im Bewusstsein unserer Bevölkerung zu verankern.

NKF – konsequent bis zum Abschluss
Der Grundsatzentscheid des Schweizer Volkes ist gefallen. Sehr knapp, wie wir wissen, aber ein Ja bleibt ein Ja. Wir werden den Schweizer Luftraum in den nächsten 40 Jahren weiterhin selbst schützen sowie die Sicherheit und Neutralität der Schweiz gewährleisten. Damit ist die Legitimität geschaffen, einerseits das NKF-Geschäft ohne Wenn und Aber bis zum Typenentscheid des Bundesrats im Mai 2021 durchzuziehen und andererseits den Beschaffungsprozess wie geplant mit den ersten Auslieferungen 2025 abzuschliessen. Die SOG wird den Prozess 2021 aktiv begleiten, ungeachtet der angekündigten Störmanöver der Linken und der Armeegegner.

Boden- und Luftoperationen: Cyber als integraler Bestandteil
Die Abhängigkeit der Armee von modernen Kommunikationsmitteln nimmt zu. Operationen am Boden und in der Luft sind ohne sicheren und dauernden Datenaustausch nicht mehr möglich. Unsere Armee entwickelt sich immer mehr in Richtung Gesamtsystem bzw. Multidomain-Denken. Militärische Operationen stellen fortan noch verstärkt eine Verbindung von Boden-, Luft- und Cyberaktionen dar. Dank NKF sind die Luftoperationen künftig abgedeckt. Die schweren Bodensysteme indes müssen allesamt ab 2025 abgelöst werden. 2021 rückt das Thema Cyber in den Fokus. Denn nur wer in der Kommunikation überlegen ist, kann seine Ziele erreichen. Deshalb wird Cyber bei der Führung einer militärischen Operation, gleich ob am Boden oder in der Luft, stets einen integralen Bestandteil bilden. Die Bedeutung von Cyber unterstreicht, dass aus der heutigen Führungsunterstützungsbasis (FUB) bis 2024 ein Kommando Cyber entstehen soll. Der Chef FUB erarbeitet einen Bericht „Gesamtkonzeption Cyber“, der die Cyberfähigkeiten und den Ressourcenbedarf der Armee abstecken wird. Die SOG wird sich mit Überzeugung dafür einsetzen, dass die entscheidenden politischen Gremien die hierfür nötigen finanziellen und personellen Mittel sprechen werden.

Sorge um die WEA wegen Alimentierungsmisere
Die SOG wird bei diesem Dauerbrenner-Thema auch 2021 nicht lockerlassen, geht es doch hierbei um die mittelfristige und nachhaltige Zukunft unserer Milizarmee und unseres Milizsystems. Selbst der VBS-Jahresbericht 2020 zum Standbild der WEA zieht zur personellen Situation ein frustrierendes Fazit: Ziele bis 2022 nicht erreichbar; keine Besserung in Sicht! Die SOG wird deshalb auch dieses Jahr unablässig die längst bekannten, rasch umsetzbaren Sofortmassnahmen einfordern und beim VBS auf mehr Tempo zur Behebung dieser kritischen Mangellage drücken. Auch die Revision des Zivildienstgesetzes, Mitte 2020 im Parlament kurzsichtig versenkt, ist für die SOG nicht vom Tisch. Im Personellen besteht folglich allerhöchster Handlungsbedarf.


SOG stärkt 2021 ihre Strukturen
Die SOG wird sich für die sicherheits- und armeepolitischen Herausforderungen strukturell noch schlagkräftiger aufstellen. Zu diesem Zweck werden u. a. intern weitere Ressorts und extern nachhaltige Partnerschaften aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gebildet. Mit dem neuen Ressort «Beziehungen SOG und Sektionen» wird die Zusammenarbeit mit den KOG, Fach-OG und Sektionen ausgebaut. Das ebenfalls neue Ressort «Kompetenzzentrum Miliz und Wehrwille» dient der SOG für die Bündelung des Know-how und der konzeptionellen Vorbereitungen für wichtige künftige Abstimmungen. Zudem wird die Frauenförderung in der Armee mit dem Projekt «Armee und Fraueninklusion» vorangetrieben. Fazit: Die SOG nimmt 2021 weiter Fahrt auf! Wir werden an der SOG-Delegiertenversammlung, die neu am 19. Juni 2021 stattfinden wird, berichten.

4 Gedanken zu „Herausforderungen 2021 für die SOG

  1. Beda Düggelin

    „Nutzen wir die gute Ausgangslage, um die Themen Sicherheit und Armee in diesem Jahr noch verstärkter im Bewusstsein unserer Bevölkerung zu verankern.“, sagt mein lieber Freund und SOG-Präsident Stefan Holenstein, Was hat die SOG diesbezüglich unternommen? Schönreden genügt nicht, Taten müssen folgen! Und wohin haben uns die gutgemeinten Bemühungen der SOG in letzten Jahren geführt? Da fehlte leider der Biss der SOG! Sorry lieber Stefan!

    Beda Düggelin, Hptm und Einheitskdt aD mit nur 1100 Diensttagen!

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  2. HP. Neuweiler

    Leserbrief von HP. Neuweiler, Ermatingen

    Nach einem sehr intensiven – und erfolgreichem Jahr 2020 steht für die SOG die Bewältigung der Zu-kunft im Vordergrund. Es gilt die Beschaffung der neuen Flugwaffe (NKF) aktiv zu begleiten, die inter-nen Strukturen zu festigigen und auszubauen – und auch das muss angegangen werden – einen neuen Präsidenten zu suchen und ihn einzuführen. Die hervorragende Arbeit von Oberst i Gst Stefan Holen-stein verdient einen würdigen Nachfolger, der das erarbeitet Niveau erhalten und wenn möglich sogar ausbauen kann.
    Dank der soliden und intensiven Fürderung des «NKF» – einem Meilenstein für die nächsten vier Deze-nien – wird uns dieses Projekt auch in naher Zukunft sehr intensiv beschäftigen und wird vermutlich erst 2025 nicht absolute Priorität geniessen.
    Die Neugestaltung der Armee mit Cyber als integrierender Bestandteil von Luft- und Bodenoperatio-nen wird dann neu in den Vordergrund treten – und die Armee wird sich stark modernisieren müssen. Mit dem neuen CDA KKdt Thomas Süssli hat die Armee einen «fachkundigen» Chef, der diese Aufga-be erfolgreich lösen sollte.
    Sorgen bereitet dem VBS – und auch der SOG – die Alimentierungsmisere der WEA. Hier muss die SOG dem VBS Druck machen und mehr Tempo fordern. Die Revision des Zivildienstgesetzes – im Parlament unter tätiger Mitwirkung der CVP versenkt – muss nochmals aufs Tapet. Und dann muss «Die Mitte» unter Beweis stellen, dass der Neue Name zutreffend und nicht ein Ableger von Rot und Grün ist.
    Abschliessend erläutert Oberst i Gst Stefan Holenstein, wie die SOG die neuen Herausforderungen aktiv und erfolgreich bewältigen kann, dank Schaffung neuer Ressorts.
    In seiner Aufzählung vermisse ich ein zentrales neues Ressort stark – und muss korri-giert und eingeführt werden: Kommunikation mit der Politik – damit Rohrkrepierer wie die Ablehnung des Zivildienstgesetzes nicht mehr vorkommen.

    HP. Neuweiler, Ermatingen

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    1. Ruedi Basler

      Genau solche unsägliche Haltungen kritisiere ich. Die Kriegsgeschäft-Initiative erhält 42.5 % Zustimmung, die Kampfjet’s werden mit einem Zufallsmehr von 8000 Stimmen angenommen. Im VBS und bei Ihnen geht aber alles weiter, ohne Rücksicht auf solche Meinungsäusserungen aus der Bevökerung. Das ist unsäglich.

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