Ob Corona oder Luftverteidigung: Die Armee muss bereit sein!

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 06-2020.

In der Corona-Krise hat die Armee ihre historische Bewährungsprobe bisher gut gemeistert. Einiges kann noch besser werden. Vor allem aber lehrt uns die Krise, dass es sich lohnt, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Auch in der Luftverteidigung. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) ist kampfbereit für die Kampfjet-Abstimmung am 27. September 2020!

Rund 5000 Armeeangehörige wurden im Rahmen der Corona-Bekämpfung seit Mitte März für den Assistenzdienst aufgeboten. Die grösste Truppenmobilisierung seit über 80 Jahren hat bestens funktioniert. Die Anzahl Aufgebotener erwies sich in Anbetracht der völlig unsicheren Lageentwicklung als angemessen. Milizkader und -soldaten haben in den letzten Wochen bewiesen, wofür uns die ausländischen Staaten so sehr beneiden: sehr rasche, flexible Einsatzfähigkeit, gepaart mit hoher Kompetenz und viel Know-how aus dem zivilen Umfeld. Alle Einsatzkräfte verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung.

Armee drängt sich nicht auf
Die Armee hat sich für diesen Ernstfall keineswegs aufgedrängt, sondern ist erst auf Gesuch der Kantone aktiv geworden. Für die Armee, den Bundesrat und die Kantone war es vordringlich, einen allfälligen Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Nachdem die Subsidiarität des Einsatzes – zum Glück – nicht mehr nötig gewesen war, zog sich die Armee wie geplant nach und nach zurück. Kritisch beurteilt die SOG, angesichts der massiven Unterbestände in den ordentlichen WK, die vom Bundesrat gesprochene Gutschrift von insgesamt 38 statt 19 Ausbildungsdiensttagen für die Corona-Truppen. Das ist ein heikler politischer Balanceakt zwischen den – durchaus berechtigten – Bedürfnissen der Wirtschaft und der militärischen Notwendigkeit.

Wichtige Testphase für die WEA
Ohne Vorwarnung musste sich die Armee zwei Jahre vor Abschluss der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) einem Härtetest unterziehen. Nutzen wir die Chance, die richtigen Erkenntnisse und Schlüsse aus dem Corona-Einsatz zu ziehen und strukturelle Anpassungen hinsichtlich Führungs- und Durchhaltefähigkeit vorzunehmen. In einigen Bereichen, so zeigt es sich schon jetzt, lassen sich Entscheidungswege und Prozesse verkürzen und optimieren, gerade auch im Austausch mit den zivilen Partnern. Fähigkeiten und Abläufe sind neu zu überlegen – so auch die Botschaft des Chefs der Armee (CdA) kürzlich in den Medien. Die SOG wird ihn dabei tatkräftig unterstützen.

Corona-Fazit mit Blick auf Air2030
Als strategische Reserve wahrt die Armee die Handlungsfreiheit von Bund und Kantonen in ausserordentlichen Lagen; aber nicht nur in Friedenszeiten. Die Aufgaben unserer Armee sind viel umfassender: Sie muss jederzeit auch für militärische und internationale Bedrohungen gewappnet sein. Das Coronavirus lehrt uns, auf alle möglichen Gefahren vorbereitet zu sein und nicht erst an die Bekämpfung von Krisen zu denken, wenn sie schon da sind. Das vorläufige Fazit aus der Corona Krise für unsere Sicherheitspolitik: Unsere Milizarmee muss mit Fähigkeiten und Ressourcen für unterschiedlichste Lagen ausgestattet sein. Keinesfalls dürfen einzelne Bedrohungen gegen andere ausgespielt werden. So muss die Armee nicht nur Lösungen auf Cyber- und Virenattacken oder Naturkatastrophen bereithalten, sondern auch als letzte Bastion eines neutralen, unabhängigen Staates für den – hoffentlich nie eintretenden – Verteidigungsfall gerüstet sein.

Mit vollem Schub los auf den 27.09.2020
Dabei ist eine leistungsfähige und glaubwürdige Luftverteidigung das Rückgrat der Armee, die den Schutz und die Sicherheit unseres Landes garantiert. Nun müssen wir die Weichen für den Ersatz unserer veralteten F/A-18 stellen. Die 6 Mrd. CHF sind die Versicherungsprämie, die wir in ruhigen Zeiten für eine ungewisse Zukunft zu entrichten verpflichtet sind. Ein klares Ja zu Air 2030 am 27.09.2020 ist die Voraussetzung, dass die Milizarmee ihre vielfältigen Aufgaben zum Nutzen und zur Sicherheit der gesamten Bevölkerung auch künftighin wahrnehmen kann. Und ein international wichtiges Signal, wie ernst die Schweiz es nimmt mit der Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und Neutralität.


Transparenter Projektbericht VBS vom 20.04.2020
Am 20.04.2020 hat das VBS seinen vierten Projektbericht publiziert. Er gibt auf knapp 60 Seiten einen transparenten Überblick über die sog. «Top-Projekte VBS». Ein anschauliches Zeugnis der Vielfalt des Gesamtsystems Armee! Ein Top-Projekt wird nur noch eingangs kurz erwähnt, ist aber ein wichtiges: die Beschaffung des 12-cm-Mörser 16. Nach dreijähriger Verzögerung wurden die Kriterien für eine Truppentauglichkeit endlich erfüllt. Damit wird eine wichtige Fähigkeitslücke der Armee, die unmittelbare Feuerunterstützung kämpfender Verbände, geschlossen. Die Übergabe der «Cobra» an die Truppe erfolgt ab 2024.

4 Gedanken zu „Ob Corona oder Luftverteidigung: Die Armee muss bereit sein!

  1. Neuweiler

    Die Worte vom Präsidenten, Oberst i Gst Stefan Holenstein sind umfassend – und die gesteckten Ziele sind uneingeschränkt zu erfüllen. Ganz wichtig – und an oberster Stelle – ist ein JA des Schweizer Volkes am 24,09.2020 zum NKF unabdingbar – ohne Luftwaffe ist eine Armee von oben enblösst und schutzlos dem Feind ausgeliefert. Das muss dem Stimmvolk bis dann immer wieder eingehämmert werden – und wir – die bürgerlichen – müssen dazu mit einer starken und einheitlichen Stimme sprechen.

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  2. Elmar Hutter

    Die Unterscheidung von Luftpolizei (in Friedenszeiten) und Luftverteidigung (Jets und Boden- Luft- Abwehr) ist vielen Mitbürgern und Mitbürgerinnen nicht klar. Für Spannungszeiten benötigt die Luftwaffe ein glaubwürdiges und neutralitätsrechtlich einwandfreies Dislozierungskonzept,wie dies in Schweden der Fall ist.
    Sinnvoll wäre wohl die Verteilung der Jets in kleinen Gruppen auf verschiedenen stillgelegten Reduitflugplätzen. Zum Schutz vor Marschflugkörpern müssten geeignete Kavernen modernisiert werden.

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    1. Ruedi Basler

      Ich kann Ihnen zustimmen, einige kennen den Unterschied Aufträge Luftpolizei und Abwehr gegenüber einem bewaffneten Angriff nicht. Ich unterstütze Kampfjet’s für die Luftpolizei. Dazu sind aber keine hochgerüsteten der 4. oder 5.Generation nötig. Die voll funktionstüchtigen und bestens gewartete F 5 Tiger sollen aufgerüstet werden.Experten sagen damit könnten luftpolizeiliche Aufgaben erfüllt werden.Das kann ich nachvollziehen. Die Schweiz liegt ungefähr in der Mitte Europa’s. Wird sie angegriffen stehen andere europäische Länder auch im Krieg.Ich bin überzeugt dass dann alles vorbei ist.

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  3. Elmar Hutter

    Ruedi Basler: Sie haben mich missverstanden. Ich bin nicht gegen die Beschaffung, wie sie der Bundesrat vorsieht. Ein Kampfflugzeug für unserern neutralen Staat hat im Verteidigungsfall insbesondere Unterstützungsfunktion für die Armee.(taktische Luftaufklärung, Luft- Boden- Einsätz.) Die Luftabwehr ist dann in erster Linie Aufgabe einer modernen Boden- Luft- Abwehr (Lenkwaffen, Schnellfeuerkanonen, evtl Laserwaffen).
    Die Luftpolizei in Friedenszeiten benötigt tatsächlich keine teuren Flugzeuge. Aber die Armee
    hat die Aufgabe unser Land zu verteidigen, wie es die Bundesverfassung vorschreibt. Daher braucht es einen Jet, der nicht nur bei politischem Schönwetter einsatzfähig ist und entsprechend ausgerüstet werden muss. Die Wahl des neues Jets hat sich an dieser Aufgabe
    zu messen. Die Gesamt-Abhaltewirkung der Luftverteidigungsmittel (Jet / bodengestützte Luftverteidigung) ist entscheidend für die Wahl des neuen Flugzeugtyps. Ich habe übrigens für den Gripen E votiert.

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