Doppelrücktritt der Armeespitze – auch eine Chance

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 05-2019.

Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) bedauert den überraschenden und zu frühen Rücktritt des Chefs der Armee (CdA) , KKdt Philippe Rebord. Obschon sein Rücktritt etwas zur Unzeit kommt, ist er auch eine Chance für die Armee. Dem Ende 2019 abtretenden CdA gebühren unser Dank und Respekt, insbesondere für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Milizorganisationen.

KKdt Philippe Rebord kommt das Verdienst zu, die Umsetzung des grundlegenden Reformprojekts Weiterentwicklung der Armee (WEA) mit Erfolg eingeleitet und das wichtigste Beschaffungsprojekt Air2030, die Erneuerung der Luftwaffe, mit grossem Engagement gefördert und vorangetrieben zu haben. Er selbst hätte den von ihm angestrebten «Kulturwandel» in der Armeeführung und in der Verwaltung des VBS gerne forciert. Nun bleibt dieses Vorhaben auf halbem Wege stehen. Man spürt bei ihm stets, dass ihm die SOG und die Milizverbände am Herzen liegen. Seine Dialogbereitschaft gehört mit zu seinen charakteristischen Führungseigenschaften.
Zum Rücktritt des C Kdo Ausbildung
Gleichzeitig mit dem Rücktritt des CdA gab Departementschefin Viola Amherd am 4. April 2019 denjenigen des Chefs Kommando (C Kdo) Ausbildung bekannt. Die SOG hätte es auch hier begrüsst, wenn der für die Armee so wichtige Bereich noch länger in der Führungshand von KKdt Daniel Baumgartner geblieben wäre. Ihm sind seine Bemühungen um das neue Ausbildungs- und Dienstleistungsmodell der Armee, die zu einer Attraktivitätssteigerung beigetragen haben, hoch anzurechnen. Baumgartner hat sich in der Miliz und der SOG mit seiner gradlinigen, offenen, bodenständigen und kantigen Art Ansehen verschafft. Obgleich persönliche Gründe für den Rücktritt angegeben werden, scheint ihn die Spesenaffäre zunehmend belastet zu haben. Klar ist aus Sicht SOG: Sein Nachfolger muss fachlich überdurchschnittlich, führungsmässig überzeugend und im Korps der Berufsoffiziere und -unteroffiziere bestens abgestützt sein.
Hohe Messlatte für den künftigen CdA
Die SOG setzt die Messlatte für den Nachfolger von KKdt Rebord sehr hoch an; gefragt sind Führungsstärke, persönliche Integrität, Kommunikationsfähigkeiten sowie Sozial-, Team- und Fachkompetenz. Die Anforderungen sind auch deshalb hoch, weil der CdA als eigentlicher Kopf und Repräsentant der Armee diese für unser Land fundamentale Institution geradezu verkörpert und exemplarisch für sie in der Bevölkerung steht. Weiter übt er eine wichtige Brückenfunktion in unserem föderalistisch geprägten Land aus; er muss in der Suisse Romande, in der Deutsch- sowie in der Südschweiz gleichermassen akzeptiert sein.Wesentlich ist zudem, dass er über politisches Flair und Rückgrat gegenüber sämtlichen Anspruchsgruppen verfügt. Er muss den Dialog sowohl intern – mit der Bundesrätin, dem VBS, den Höheren Stabsoffizieren, dem Instruktionskorps – als auch extern – mit den eidgenössischen Parlamentariern, den Kantonen und Behörden, den Milizverbänden, der Öffentlichkeit und nicht zuletzt mit den Medien – wie ein Dirigent meisterhaft beherrschen.
Kein klarer Favorit
Die SOG kennt keinen klaren Favoriten für das schwierige und anspruchsvolle Amt des CdA. Eines steht aber fest: Wir streben im Sinne der Kontinuität und Stabilität eine längerfristige Lösung an. Die Armee steckt in einer wichtigen Entwicklungs- und Umbruchsphase. In ihr muss der neue CdA als Garant für Erneuerung und Glaubwürdigkeit stehen. Die SOG begrüsst die Einsetzung einer möglichst breit aufgestellten Findungskommission, damit Bundesrätin Amherd auch die Meinung kompetenter externer Stellen, etwa der Miliz, einholen könnte. Selbst wenn die Abgänge an der Armeespitze eher ungelegen kommen, so stellen sie doch eine Chance dar, welche die neue Chefin des VBS nutzen sollte. Sie hat noch alle Karten in der Hand.

Delegiertenversammlung (DV) der SOG vom16. März 2019 – ein rundum gelungener Anlass
Im geschäftlichen Teil der DV in Einsiedeln verabschiedeten die Delegierten die grösste und bedeutendste Statutenrevision der SOG der letzten 25 Jahre einstimmig. Im Vordergrund standen die spürbare Verschlankung des vormals überdotierten Vorstands sowie die wichtige Kompetenzerweiterung der Präsidentenkonferenz – die Vereinigung der 40 Präsidenten der KOG und Fach-OG. Damit konnten die Früchte einer grossen, über zweijährigen SOG-Reform geerntet werden. Vorstand und Präsident möchten ihren Sektionen und Mitgliedern hierfür ein Kränzchen winden. Die SOG geht insgesamt gestärkt in eine gute Zukunft. Mit viel Wohlwollen hat sie zudem Kenntnis vom Erwartungskatalog der Chefin VBS in ihrem Antrittsreferat genommen: offene, transparente und ehrliche Kommunikation, permanenter gegenseitiger Austausch, Verlässlichkeit als wichtiger armeepolitischer Partner, positive und die Armee vorantreibende Debattenkultur. Die SOG wird Bundesrätin Amherd in allen ihren Grossprojekten aktiv unterstützen.

Ein Gedanke zu „Doppelrücktritt der Armeespitze – auch eine Chance

  1. Hans Marti

    Sehr geehrter Herr Präsident
    ich teile Ihre Ansicht, wonach der Doppelrücktritt an der Armeespitze eine Chance ist.

    Allerdings hätte ich mir gewünscht, die Bundesrätin hätte den Korpskdt Baumgartner aufgrund seines Verhaltens mit Spesen disziplinarisch bestraft und so eine weitere Verwendung ausgeschlossen.
    Das Verhalten von Baumgartner war mindestens unehrenhaft und wir dürften ihn eigentlich den amerikanischen Gastgebern gar nicht zumuten: in den USA würde solch unehrenhaftes Verhalten eines höchsten Offiziers wohl empfindlich geahndet.
    Schade, dass Frau Amherd es versäumt hat, von allem Anfang an ihren Laden in Griff zu nehmen!
    Baumgartner mag Gutes gemacht haben – aber er hat offenbar charakterlich nicht genügt. Damit hat er sich selbst demontiert und eigentlich kann man dazu höchstens schweigen: nachträgliche Verdankungen hat er selbst verscherzt.
    Mit freundlichen Grüssen

    Hans Marti

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