Aussagekräftiger Zwischenbericht zur Umsetzung der WEA

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 12-2018.

Die Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee (WEA) wird bis Ende 2022 dauern. Die Mitglieder der Sicherheitspolitischen Kommissionen des National- und Ständerats sowie weitere interessierte Kreise sollen halbjährlich mittels eines Zwischenberichts über den laufenden Umsetzungsprozess orientiert werden. Dieser beurteilt die Zielerreichung und legt allfällige Korrekturen dar. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) erachtet den nun vorliegenden ersten Zwischenbericht 2018 als aussagekräftig, wertvoll und wichtig für das Gelingen des Reformprojekts.

Mit der WEA wurde die Armeestruktur massiv verändert. Die Zahl der Truppenkörper und der Sollbestand wurden deutlich reduziert, die Zahl der Einheiten und der Stäbe nahm zu. In den Truppengattungen wurde überdies die Anzahl der Truppenkörper verändert. Dieser Strukturanpassung vermochte der Prozess der personellen Alimentierung nicht zu folgen. Wie der Bericht aufzeigt, wird 2018 die Zahl der ausexerzierten und ersteingeteilten Angehörigen der Armee das Soll von 18000 nicht erreichen – man rechnet mit rund 17300. Im Weiteren besagt der Bericht, dass die Alimentierung der Armee mit Kadern auf einem «befriedigenden Stand» und die Kompaniekommandanten «knapp in der notwendigen Anzahl» vorhanden sind. Zudem sei davon auszugehen, dass die Zahl der Abgänge zum Zivildienst auf über 7000 ansteigen wird, was einen neuen Höchstwert bedeutet.

Kaderbestände als kritischer Erfolgsfaktor
Die von der SOG unterstützte Revision des Zivildienstgesetzes soll die Anzahl Zivildienstgesuche verringern. Die Armee ihrerseits hat Massnahmen getroffen, um die Attraktivität des Militärdienstes zu steigern.Was indes bei den Zivildienstabgängen besonders schwer wiegt, ist das Faktum, dass rund 25 Prozent der Zulassungen aus der Rekrutenschule Militärdienstpflichtige betrifft, die für eine Kaderlaufbahn vorgesehen sind. Das ist unhaltbar, verliert doch die Armee dergestalt am Ende der Grundausbildung bestens geeignete Soldaten, aus denen später Unteroffiziere und Offiziere gewonnen werden sollten. Die Kaderbestände sind ohnehin schon gefährdet, weshalb aus Sicht der SOG weitere Massnahmen dringend zu prüfen sind.

Effektivere Kaderausbildung
In der WEA haben die Milizkader wieder vermehrt die Ausbildungs- und Führungsverantwortung übernommen. Das gibt den jungen Milizkadern mehr Handlungsspielraum und überträgt ihnen mehr Verantwortung. Damit wird die Führungsfähigkeit der Kader verbessert. Es ist deshalb erfreulich, dass bei den Zugführern die Planungszahl von rund 800 jährlich erfüllt wird. Kritisch sieht es dagegen bei den Einheitskommandanten und vor allem bei den Stabsoffizieren aus. Bei ersteren stellt sich keineswegs die mangelnde Attraktivität oder Qualität, sondern die Dauer des praktischen Dienstes, also des Abverdienens, von 19 Wochen als reales Hindernis dar. Hier sind deshalb flexible Lösungsansätze gefragt.

Schlüsselfaktor Alimentierung der Armee
Die Zielerreichung der WEA Ende 2022 hängt somit vom Schlüsselfaktor der Alimentierung der Armee ab. Laut Zwischenbericht kann der anvisierte Effektivbestand nicht erreicht werden. Er wird zwar bis Ende 2022 kontinuierlich auf rund 145000 ansteigen, um dann Anfang 2023 wieder auf 123000 abzusinken. Der Bericht hält fest, dass die hohe Zahl der Zivildienstabgänge bereits kurz und mittelfristig die Alimentierbarkeit und damit die Einsatzbereitschaft der Armee gefährdet. Für die SOG ist es von zentraler Bedeutung, dass zur Sicherstellung des Armeebestands noch während der Umsetzung der WEA zusätzliche, nachhaltige Massnahmen getroffen werden. Wichtig ist auch, dass weitere Anreize für die Kaderrekrutierung geschaffen werden. Namentlich die Anerkennung und die Wertschätzung des Militärdienstes und der Kaderausbildung sind vermehrt zu fördern. Nicht zu vergessen ist der Nachwuchs an militärischem Berufspersonal. Aktuell gelingt es nicht, alle Berufsmilitärstellen zu besetzen. Nutzen wir die Zeit und packen die Chancen für die nötigen, wohl überlegten Korrekturen in der laufenden WEA, deren Start – von der SOG mehrfach betont – als durchaus geglückt bezeichnet werden darf.  

Die SOG wählt einen neuen ASMZ-Chefredaktor
Die ASMZ-Findungskommission hat der SOG anlässlich ihrer Vorstandssitzung vom 10. September 2018 in Bern fünf ausgezeichnete Kandidaten für die Position des neuen ASMZ-Chefredaktors vorgeschlagen. Schliesslich hat sich der SOG-Vorstand einstimmig für die Wahl von Oberst i Gst aD Peter Schneider, der bereits in den Jahren 2012 bis 2015 in dieser Funktion in der ASMZ wirkte, zum Chefredaktor entschieden. Der SOG-Vorstand gratuliert Peter Schneider herzlich zur ehrenvollen Wahl und freut sich auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit mit ihm. Gleichzeitig bedankt sich die SOG beim per Ende 2018 abtretenden Chefredaktor Div aD Andreas Bölsterli für sein überaus engagiertes und erfolgreiches Wirken in den letzten drei Jahren. Wir wünschen ihm alles Gute und viel Befriedigung in all seinen künftigen Aktivitäten.

Ein Gedanke zu „Aussagekräftiger Zwischenbericht zur Umsetzung der WEA

  1. Hans-Peter Neuweiler

    Ich finde den Kommentar zur WEA ausgewogen, überzeugend und sehr gut. Man muss jetzt alles hinterfragen und überprüfen – und die SOG ist hier auf dem rechten Weg.
    Sehr gut finde ich den Entscheid der SOG von Oberst i Gst aD Peter Schneider zum neuen Chefredaktor der ASMZ – einen besseren Kenner gibt es für mich nicht.

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