Weiterentwicklung der SOG

Von Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 01-02-2018.

Am Samstag, 17. März 2018, findet in Neuenburg die diesjährige Delegiertenversammlung (DV) der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) statt. Die DV vor einem Jahr in Sion prägten Diskussionen um das Budget der SOG und eine Erhöhung des Jahresbeitrags der Mitglieder. Der SOG wurde vorgeworfen, die Finanzen nicht im Griff zu haben. Dies nicht zuletzt wegen der Kosten des Generalsekretariats. Es wurden auch Forderungen laut, die Gremien der SOG hätten eine strukturelle Anpassung und Modernisierung nötig. Der Präsident der SOG, Oberst i Gst Stefan Holenstein, hat den Delegierten versprochen, diesen Auftrag der DV anzupacken. Nun, kurz vor der kommenden DV ist es an der Zeit, nach den Resultaten dieser Arbeiten zu fragen.


Interview Andreas Bölsterli, Chefredaktor

Herr Holenstein, als Präsident der SOG haben Sie in Sion versprochen, die von den Delegierten vorgebrachten Punkte aufzugreifen. Was hat Sie dazu bewogen, diese unverzüglich anzugehen?
Ja, ich habe die klare Zustimmung der Delegierten zur Beitragserhöhung von fünf Franken als Vertrauensvorschuss verstanden, mit den nun längst fälligen Reformen in den Strukturen, der Organisation und insbesondere den Finanzen ernst zu machen. Ich habe bei meinem Amtsantritt im März 2016 festgestellt, dass das Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern,
also den KOG und Fach-OG, und der Dachorganisation SOG gelitten hat. Und das ist in einer stark föderalistisch ausgeprägten Organisation, wie die SOG sie darstellt – für mich eine gelebte «Swiss miniature» –, Gift. Hier wollte und musste ich möglichst schnell Remedur schaffen.

Wie Sind Sie vorgegangen?
Zuerst galt es, die richtigen Leute ins Boot zu holen, die bereit waren, eine solche  «Riesenübung» im Milizsystem durchzuziehen. Wir haben im Vorstand, mit neuen Köpfen, etliche Rochaden in entscheidenden Funktionen vorgenommen und uns neu aufgestellt. In erster Linie zu erwähnen sind der neue SOG-Finanzchef Rinaldo Rossi, der neue Ressortleiter SOG Marco La Bella und sein Stellvertreter Marc-André Ryter, die das Reformprojekt SOG mitverantworten. Der Start zur SOG-Reform erfolgte eine Woche nach der DV vom 18. März 2017. Wir haben vier Teilprojekte mit je einem Leiter gebildet. Die Teams setzen sich gemischt aus dem SOG-Vorstand und – wichtig – aus Vorstandsmitgliedern der
KOG und Fach-OG zusammen, die sich höchst motiviert und engagiert an die Arbeit machten.

Von welchen vier Teilprojekten sprechen Sie?
Teilprojekt 1 betrifft die Neubesetzung und die Verlegung des Generalsekretariats (GS) von St.Gallen nach Bern. Teilprojekt 2 enthält den Relaunch der Stiftung für Schweizer Offiziere zur Mittelgenerierung. Teilprojekt 3 ist die Konsolidierung der Finanzen, mit transparentem Monitoring und Reporting. Teilprojekt 4 umfasst die Reorganisation der SOG-Strukturen, mit dem Ziel der Verschlankung.

Was ist das übergeordnete Ziel Ihres Reformkurses?
Schauen Sie, die SOG ist letztlich ein einziger grosser Dienstleister. Sie vertritt die Interessen der Schweizer Offiziere und beeinflusst die politische Meinungsbildung sowie Entscheidfindung, und sie betreibt das Polit-Lobbying. Da müssen wir effektiver werden. Andererseits ist die SOG auch Dienstleister «nach unten» zugunsten ihrer Mitglieder, die in den KOG und Fach-OG organisiert sind. Das ist mir mindestens so wichtig. Aber auch da haben wir Handlungsbedarf. Deshalb akzeptiere ich den Wunsch nach mehr Mitsprache seitens der Sektionen. Wichtig ist, dass dieses Zusammenspiel von zentralen und dezentralen Kräften ausgewogen ist und funktioniert. Allerdings bedeutet mehr Mitsprache auch immer mehr Mitverantwortung
– dessen müssen sich die kantonalen Präsidenten bewusst sein.

Die Diskussionen um die Erhöhung des Jahresbeitrags haben zu Forderungen nach mehr Transparenz bei den Finanzen und Einsparungen geführt. Wo spart die SOG und welche Auswirkungen haben diese Sparmassnahmen allenfalls auf die Sektionen?
Mit dem Verlauf der SOG-Finanzen bin ich zufrieden. Die doch rigiden Sparmassnahmen, die bereits in dem der DV 2017 vorgelegten Budget enthalten sind, greifen. Haben wir bis vor wenigen Jahren über unsere Verhältnisse gelebt, strecken wir uns alle nun gemeinsam nach der Decke. So wurde etwa der Aufwand in den Bereichen Administration, GS oder Entschädigungen
von Ausschuss und Präsident massiv reduziert. Die Zahlen der laufenden Finanzbuchhaltung 2017 bestätigen unsere Planung.Wir dürften das Geschäftsjahr mit einer «schwarzen Null» abschliessen. Ziel damit erreicht. Andererseits geben uns die aufgrund der Beitragserhöhung um fünf Franken gewonnenen Einnahmen etwas Handlungsspielraum,
unsere völlig auf gebrauchten Reservepolster für künftige Aktivitäten, wie z.B.
Kampagnen, wieder «sanft» anzuheben und unsere Kostenstruktur zu decken.

Der Vorstand der SOG umfasst gemäss Angaben auf der Internetseite um die 30 Personen. Es gibt neben dem leitenden Ausschuss verschiedene Gremien und Fachkommissionen. Grösse und Kompetenzen der verschiedenen Organe waren auch Stein des Anstosses in Sion. Welche Änderungs-vorschläge präsentieren Sie der DV in Neuenburg?
Das ist mir ein besonders grosses Anliegen. Ich möchte die Kompetenzen der
Präsidentenkonferenzen erhöhen. Diese soll nicht mehr nur ein konsultatives Gremium
sein, sondern mitentscheiden können. Zudem möchte ich den heute übergrossen
SOG-Vorstand verschlanken und effizienter gestalten. Auch da sind wir auf gutem Wege, sind doch die Grundsatzentscheide sowohl vom Vorstand als auch von den Präsidenten einstimmig gutgeheissen worden.

Ein grosser Streitpunkt waren die Kosten für das Generalsekretariat der SOG.
Welche Erwartungen haben der Präsident und der Vorstand der SOG gegenüber
ihrem Generalsekretariat und wie sollten diese Leistungen aus ihrer Sicht nun
erbracht werden?

Der Aufwand für das GS wurde bereits in der laufenden Rechnung im Verhältnis
zu den Vorjahren reduziert, nachdem der Vertrag mit der Agentur alea iacta per 30.
September beendet wurde und die Übergangslösung bis zum 31.Dezember 2017
mit reduzierten Kosten sichergestellt werden konnte.
Mit einem neuen Generalsekretariat, in Sichtweite der Bundeshauskuppel, streben
wir eine effizientere und kostengünstigere Lösung an. Das ist machbar, wobei
gewisse Aufgaben ab dem 1. Januar 2018 an die SOG-Vorstandsmitglieder ausgegliedert
werden. Damit steht auch das Milizprinzip ein wenig auf dem Prüfstand!

Die Erwartungen des Vorstandes an das neue GS sind qualitativ nach wie vor
sehr hochgesteckt, quantitativ jedoch in einem reduzierteren Rahmen.
Ja, das GS quasi als «Profi-Stelle» der SOG, steht natürlich unter besonderer
Beobachtung. Zu Recht, wird es eben hauptsächlich durch die Mitgliederbeiträge finanziert. Das GS ist die zentrale Anlauf-, Informations- und Verteilstelle des Dienstleisters SOG. Das bedingt klare Strukturen und Aufgaben im Vorstand, die es dem GS erlauben, gezielt auf die
Ansprechpartner im Vorstand zuzugehen und die Aufgaben abzustimmen.

Eine Frage in eigener Sache. Das obligatorische Abonnement der ASMZ ist immer
auch Teil der Diskussionen um den SOG-Mitgliederbeitrag. Wie wichtig ist dem Präsidenten der SOG sein Publikationsorgan und wie beurteilen Sie die ASMZ als Leser?
Ich bin ein absoluter Befürworter, ja Anhänger der ASMZ, die sich als militärisches Fachorgan auch international durchaus sehen lassen darf. Ich sehe die ASMZ unter anderem als sicherheitspolitische Plattform der Schweiz. Sie hat ihren festen Platz in der Landschaft der
Schweizer Fachzeitschriften. Vielleicht könnte man künftig noch etwas mehr Gewicht auf die Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Milizorganisationen legen.

Gibt es noch weitere, aus Ihrer Sicht wichtige Projekte für die Entwicklung der SOG?
Wir werden uns auch 2018 intensiv zu den sicherheits- und armeepolitischen
Herausforderungen einbringen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Umsetzung
der WEA, den personellen und finanziellen Ressourcen der Armee oder der integrierten
Luftverteidigung. Es gibt viel zu tun.

Ein Gedanke zu „Weiterentwicklung der SOG

Kommentar verfassen