WEA – die Reform muss gelingen

Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ-Ausgabe 06-2017.

Die Weiterentwicklung der Armee (WEA) hat gute Erfolgschancen. Die Umsetzungsphase dauert vier Jahre, vom 1. Januar 2018 bis Ende des Jahres 2021. Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) wird sich u.a. in der WEA-Begleitgruppe, die in der zweiten Jahreshälfte 2017 ihre Arbeit aufnehmen wird, engagiert und konstruktiv-kritisch einbringen.

Der Reformbedarf der Armee ist seit langem ausgewiesen. Die WEA ist die sicherheits- und militärpolitisch, aber auch die gesellschaftlich adäquate und breit abgestützte Antwort auf die vielen offenen Themenkreise. Der Start der WEA erfolgt am 1. Januar 2018. Die Vorzeichen stehen allenthalben auf grün. Der neue Chef der Armee, KKdt Philippe Rebord, darf sich auf gute Startvoraussetzungen freuen. Nicht nur ihm, sondern auch der SOG ist indes bewusst, dass die Umsetzung des Reformprojekts ein mehrjähriger Prozess mit steten Anpassungen und Feinjustierungen sein wird.

Mut zur offenen Fehlerkultur
Es ist uns allen klar, dass mit Beginn 2018 noch nicht alles rund laufen wird. Vieles wird sich erst in der Umsetzung bewähren oder als mangelhaft erweisen. Anderes kann erst nach und nach erarbeitet oder erfasst werden, wie etwa die Ausbildungsinhalte der Fortbildungsdienste (FDT) oder die Alimentierung der Truppenkörper im FDT.
Die SOG legt grossen Wert darauf, dass die Armee und die Verwaltung offen und ehrlich das Delta aufzeigen und die Massnahmen vorlegen, um die identifizierten Mängel rasch zu beheben. Eine konstruktive Gesprächs- sowie Fehlerkultur sind dafür unabdingbar.
Die SOG nimmt sich selber in die Pflicht und sichert hier ihre volle Unterstützung zu. So hat der SOG-Vorstand ein WEA-Cockpit entwickelt, welches zur zielführenden Umsetzung der WEA beitragen soll. Als eigentliche kritische Erfolgsfaktoren bezeichnet die SOG dabei die Alimentierung der Armee in personeller und finanzieller Hinsicht: Gelingt die Rekrutierung quantitativ und qualitativ und stehen die jährlich vom Parlament versprochenen 5 Mrd. CHF für die nötigen Investitionen in die Ausbildung, die Logistik, die Erneuerung der teilweise veralteten Systeme sowie in die Führungsunterstützung wie geplant zur Verfügung? Denn diese Faktoren sind essenziell für eine gelungene Umsetzung der WEA.

Mit der Armee näher zur Bevölkerung
Flankierend braucht es aus Sicht der SOG eine Kommunikationsoffensive des VBS und der Armee, welche die Verankerung der Armee in der Bevölkerung und der Gesellschaft festigt. Für die SOG geht es namentlich um die sinnvermittelnde und aufklärende Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Es ist mehr als ärgerlich, wenn diese Soldaten oder angehende Offiziere belächelt, ja vielmehr noch anfeindet. Wir müssen unserer Milizarmee vermehrt Sorge tragen und die Leistungsbereitschaft unserer Soldaten und Kader im Dienste der Gemeinschaft positiv würdigen. Dazu gehört auch, dass die Unternehmen in der Schweiz, KMU wie auch Konzerne, den Mehrwert der militärischen Ausbildung zu schätzen wissen. Es geht nicht an, dass z.B. in einem Stelleninserat explizit darauf hingewiesen wird, dass Bewerber mit militärischen Verpflichtungen unerwünscht sind. Weitere negative Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit liessen sich anführen. Denken wir dran: Über alles gesehen machen unsere Leute in der Armee einen sehr guten Job. Folglich dürfen wir mehr Dankbarkeit und auch Stolz denjenigen gegenüber zeigen, die für die Sicherheit der Schweiz und deren Bevölkerung einstehen – im äussersten Fall sogar unter Einsatz des eigenen Lebens. Das verdient grossen Respekt. Letztlich können wir mit der erfolgreichen Umsetzung der WEA eine solide und nachhaltige Basis legen.

Ein Gedanke zu „WEA – die Reform muss gelingen

  1. Gotthard Frick

    Gotthard Frick Economist & business administrator Dipl. Sciences Po & Sorbonne, Paris.
    Birsigstr. 13, CH-4103 Bottmingen, Tel./Fax +41-061 421 8726, gohefrick@gmx.ch, Mob. China +86-134 3978 3732

    Bundesrätliche Begründung für die abgeschaffte Armee

    In seiner Stellungnahme vom 10.05.17 zum Postulat von Nationalrat Burkart Thierry zur Armee antwortet der Bundesrat: „Bestimmend für die Schweiz sind vielmehr ihre eigenen Beurteilungen der Bedrohungen und Gefahren“. Diese sind im Sicherheitspolitischen Bericht SIPOL-B 2016 festgehalten. Damit will er nachträglich die Zerschlagung der Armee rechtfertigen. Deshalb stützt er sich auf die Lage um das Jahr 2000.

    Russland will sicher keinen Krieg, aber hat seit Jahren immer wieder gegen den Aufbau einer für das Land gefährlichen militärischen Bedrohung durch die USA und die NATO direkt an seiner Grenze protestiert und – wie1962 im spiegelbildlichen Fall Präsident Kennedy (Installation zahlreicher sowjetischer Atomraketen auf Kuba) – angekündigt, es werde militärisch dagegen vorgehen, wenn keine gütliche Einigung möglich sei. Auch die Aufnahme fast aller früheren Mitglieder des Warschauerpaktes in die NATO wird von Russ-land nicht als Friedenssignal gesehen.

    Im SIPOL-B 2016 spricht der Bundesrat, z.B. zwei mal von der Befugnis des Zolls, Personen kontrollieren zu dürfen, dann aber auch von Cyberattacken unterstützt durch ein paar obskure Uniformierte ohne Erkennungszeichen. Ein echter Krieg sei unwahrscheinlich. Seine Sicht steht in einem totalen Widerspruch zur Beurteilung sowohl der Sicherheitslage wie auch der Fähigkeiten Russland und Chinas durch die oberste US Militärführung, für die „ein Krieg praktisch garantiert“ ist („virtually guaranteed“)1).

    Der Bundesrat meint im SIPOL: „Vorläufig werden die russischen Streitkräfte aber
    wahrscheinlich kaum in der Lage sein, erfolgreich raumgreifende Operationen gegen die NATO zu führen“. Dagegen sagte der amerikanische Oberbefehlshaber in Europa auf BBC am 20.06.2016: „Die Russen sind fähig, enorme Verbände und sehr viel Ausrüstung sehr schnell über grosse Distanzen zu verschieben.“ Noch deutlicher wurde der höchste US General, der Vorsitzende des US Generalstabes an der grossen Konferenz vom 3.-5. Oktober 2016: „Wir haben ihre Modernisierung der bestehenden Systeme beobachtet und auch ihre Fähigkeiten, die besonders besorgniserregend für die Vereinigten Staaten sind….Ihre Fähigkeiten zu einem weitreichenden Angriff, die Modernisierung des nuklearen Arsenals, und ihre Fokussierung auf eine breite Palette an Cyber-, Weltraum- und elektronische Kriegführung….. und sie tun dies, während sie eine sehr leistungsfähige konventionelle Armee weiterentwickeln“. (Dazu gehört, neben ihren Panzer- und Luftlande- und anderen -divisionen auch die 1.Garde-Panzerarmee, deren Wiederaufbau Russland zur gleichen Zeit meldete, als Herr KKdt. Blattmann der Gruppe GIARDINO in der NZZ vorwarf, noch an Panzerkriege zu glauben).

    Die USA halten Russland und China für fähig, die Kommunikation der US Streitkräfte auszuschalten, selbst zum Weissen Haus, deshalb müssten die Soldaten lernen, in völliger Isolation zu kämpfen und sich mit Karte und Kompass zurecht zu finden. Da die Aufklärungsmöglichkeiten der potenziellen Feinde der USA vom Weltraum bis auf das Schlachtfeld reichten und erkannte Stellungen mit Präzisionswaffen sofort ausgeschaltet werden könnten, müssten sich die US Streitkräfte dauern weit auseinandergezogen bewegen, denn „wer 2-3 Stunden lang am gleichen Ort ist, ist tot“. Nachschub über die Meere an Regionen im Krieg sei kaum mehr möglich. (Deshalb verschieben die USA gegenwärtig grosse Mengen schweren Kriegsmaterials nach Europa und lagern es dort ein). Die Bodentruppen könnten nicht mehr mit der Unterstützung durch die Luftwaffe rechnen, bevor sie ein Gebiet besetzten, sondern müssten oft zuerst den Feind dort besiegen und seine Luftabwehr ausschalten, bevor die US Luftwaffe dort eingreifen könne.

    Das alles hat der Bundesrat im SIPOL-B 2016 in der „eigenen Beurteilung“ nicht zur Kenntnis genommen. Sowenig wie die Schweizerische Offiziers-gesellschaft, die die WEA unterstützt.

    Weiss das Schweizer Volk, dass unsere Armee an Kampftruppen nur noch über 2 Panzerbataillone und 4 mechanisierte Bataillone verfügen wird, die von nur noch 4 Artillerieabteilungen unterstützt werden können? Es gibt zwar in den 4 Territorialdivisionen 16 Infanteriebataillone. Die verfügen aber über keine schweren Waffen und die Divisionen über keine Feuerunterstützung. Die Infanteristen sind im Kriegsfall weitgehend wehrloses Kanonenfutter. Dazu fehlt uns eine glaubwürdige Luftwaffe und Luftabwehr.

    Und schliesslich, auch bei der Bezeichnung der Kampfverbände als Divisionen und Brigaden mogelt der Bundesrat. Denn diese Verbände entsprechen von der Grösse her nur noch früheren Regimentern.

    1)US Quelle: http://www.ausa.org Gotthard Frick, Bottmingen

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