Auslaufmodell Schweizer Milizarmee?

Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ Ausgabe 05-2017.

Die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) steht voll und ganz zum Bekenntnis: «Das Milizsystem ist das beste aller Systeme.» Die Milizarmee ist mitnichten ein Auslaufmodell – das Milizprinzip ist die grosse Stärke. Es ist jedoch unabdingbar, dass die Verantwortungsträger der Zivilgesellschaft diesen Leitsatz nicht als blosse Floskel betrachten, sondern den Milizgedanken wieder verstärkt thematisieren.

Die verunglückten Armeereformen 95 und namentlich XXI verursachten zahlreiche Baustellen, insbesondere auf Kaderstufe der Armee, und haben unsere Milizarmee nachhaltig geschwächt. Die Miliz braucht die besten Köpfe, die auch die Chance erhalten, höhere und höchste Kommandofunktionen zu übernehmen. Erschwerend kommt heute hinzu, dass in der Wirtschaft – anders als noch vor 25 Jahren – die militärische Führungserfahrung längst nicht mehr dieselbe Rolle spielt, obschon der Führungsausbildung nach wie vor ein hoher Nutzwert für den zivilen Berufsalltag bei- gemessen wird. Zu guter Letzt hat der Milizoffizier seinen gesellschaftlichen Stellenwert heutzutage weitgehend eingebüsst.

Grössere Wertschätzung nötig

Es ist noch nicht lange her, als Regiments-, Bataillons- und Kompaniekommandanten in der Gesellschaft vielseitig geachtete Respektpersonen waren. Das hat sich leider geändert. Die Bereitschaft, militärische Verantwortung zugunsten des Gemeinwesens zu übernehmen, findet kaum mehr Anerkennung, geschweige denn Lob. Was ist zu tun?
Die Leistungsbereitschaft angehender Offiziere, für eine starke Milizarmee und für die Sicherheit unseres Landes einzustehen, verdient allergrössten Respekt. Zeigen wir uns wieder und kehren wir unseren Offiziersstolz vermehrt nach aussen. Die SOG hat es sich deshalb 2017 auf die Fahne geschrieben, den Wert der militärischen Führungsausbildung und die Relevanz der Milizarmee als staatstragende Funktion für unsere Gesellschaft stärker ins Zentrum zu rücken. Die Weiterentwicklung der Armee (WEA) bietet zudem die Chance, die Milizverträglichkeit zu verbessern und der etwas erlahmten Beziehung zwischen Armee, Wirtschaft und Gesellschaft neuen Auftrieb zu verleihen. Desgleichen ist die Koordination und Zusammenarbeit mit den Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen auf Basis der WEA konsequent voranzutreiben.

Die SOG steht bezüglich Stärkung der Milizarmee und der Stellung der Milizoffiziere in der Pflicht. Sie wird sich mit aller Kraft und im Interesse einer starken und glaubwürdigen Miliz für die Armee und ihre Offiziere einsetzen.

 

Ein Gedanke zu „Auslaufmodell Schweizer Milizarmee?

  1. U. Brandenberger

    Ihr Wort in HR-Managers Ohr, Herr Präsident.

    Die Realität ist aber nun mal die – und zwar seit mind. 20 Jahren-, dass man sich als Milizoffizier dauernd für seine WKs rechtfertigen muss, man als Ursache für die Mehrbelastung der Kollegen bzw. Minderleistung des eigenen Fachbereichs bezeichnet, ja gar als Ferientechniker diffamiert wird – und das bei einem renommierten Schweizer Multinational, der sich die paar Abwesenheiten wohlverstanden locker leisten konnte. Als ich 2003 diese Diskriminierungen bei der firmeneigenen Gleichstellungsbeauftragten monierte, wurde ich mit einem Verweis auf die Bundesverfassung abgespeist. Der Souverän wolle das so, dass nur Männer dienstpflichtig seien. Und im übrigen gebe es ja jederzeit die Möglichkeit den Abschied zu geben. Für Offiziere sei das in meinem Alter (damals 36) ja alles freiwillig. Wenn man sich nicht dagegen gewehrt habe, befördert zu werden, sei man selber schuld. Besonders übel war in diesen Jahren die Regelung der A95, dass gewisse Verbände (wie meiner) jedes Jahr in den WK gehen mussten, andere nur alle zwei Jahre, was dann den Eindruck erweckte, ich würde freiwillig das Doppelte machen, usw. Dazu passt, dass bei einer grossen Reorganisation 2006 die beiden Gekündigten meiner Abteilung zufälligerweise die beiden einzigen Milizler waren.

    Selbst VBS-Angestellte müssen sich rechtfertigen, dass sie noch Dienst leisten – und das selbst wenn die militärische mit der zivilen Tätigkeit einen direkten Zusammenhang hat. Grund? Der Mehrwert für den zivilen Arbeitgeber sei „nicht erkennbar“.

    Die Krönung ist dann noch, wenn man als partiell Selbstständigerwerbender einmal rote Zahlen schreibt und dann feststellen muss, dass man in diesem roten Jahr für die auf eigene Kappe gehenden Diensttage genau 0.00 CHF EO erhält. Jeder Rekrut mit 0.00 Einkommen erhält 62.00.

    Alles in allem: Tolle Motivation. Ich verstehe jeden, der sich das nicht antun will. Wenn ich nicht an den Milizgeist glauben würde, dann wäre ich längst ausgestiegen.

    Antworten

Kommentar verfassen