Die künftige Luftwaffe – Position der SOG

Stefan-Holenstein

Oberst i Gst Stefan Holenstein, Präsident SOG. Erschienen in der ASMZ Ausgabe 03-2017.

Vor rund einem Jahr informierte der C VBS den Bundesrat über die geplanten Vorbereitungsarbeiten zur Evaluation eines neuen Kampfflugzeugs. Er beauftragte eine VBS-interne Expertengruppe mit dem Erstellen der Ausgangslage zu diesem Geschäft.

Das Gremium erhielt den Auftrag, bis Mitte 2017 – in Abstimmung mit dem weiteren Vorgehen im Bereich der bodengestützten Luftverteidigung – die grundlegenden Fragen zu Be-
darf, Beschaffung und industriellen Aspekten in einem Bericht darzustellen. Unterstützt werden diese Experten durch eine externe Begleitgruppe, die grundsätzliche Aspekte der Beschaffung diskutiert. Die SOG hat Einsitz in dieser Begleitgruppe.

Vorentscheidende Phase 2017
Sowohl das bundesrätliche Konzept zur langfristigen Sicherung des Luftraums als auch die bisherigen Arbeiten der Expertengruppe haben klar aufgezeigt, dass der Bedarf nach neuen Kampfflugzeugen unzweifelhaft besteht. Diese sollen der Luftwaffe ab 2025 schrittweise zugeführt werden. Dazu muss dem Parlament nach heutiger Planung spätestens im Rüstungsprogramm 2022 der Beschaffungskredit unterbreitet werden.
Im Einklang mit der Expertengruppe ist die SOG der Auffassung, dass es keine Alternativen zu den Kampfflugzeugen gibt. Die Nachteile und Probleme etwa von Kampfhelikoptern, Propellerflugzeugen, leichten Kampfflugzeugen, Drohnen oder Boden-Luft-Systemen wiegen zu schwer.
Es ist aus Sicht der SOG entscheidend, die Handlungsfreiheit im Hinblick auf die angestrebte Beschaffung von Kampfflugzeugen zu wahren und eine drohende Lücke beim Schutz des Luftraums unbedingt zu vermeiden.
Jetzt, wo die Arbeiten der Experten- und Begleitgruppe allmählich in die Zielgerade einbiegen, tritt die Frage der Qualität und auch der Quantität der zu erneuernden Kampfflugzeugflotte immer stärker in den Vordergrund.

Beschaffung, Erneuerung und Finanzierung der Luftwaffe
Für die SOG ist es unabdingbar, dass die Luftwaffe zur Luftverteidigung, zum Erdkampf, zum Luftpolizeidienst, zur Aufklärung und zum Lufttransport befähigt sein muss. Nicht nur die Beschaffung eines neuen Kampfflugzeuges, sondern die Erneuerung der ganzen Kampfflugzeugflotte (F/A- 18 Hornet und F-5 Tiger) ist voranzutreiben. Die Zielflottengrösse muss mindestens 70 Kampfflugzeuge (6 Staffeln) umfassen, wobei eine Einflotten-Strategie anzustreben ist. Bei der bodengestützten Luftverteidigung steht der rasche Ersatz aller bestehenden Systeme an, weshalb die Sistierung des Projekts BODLUV 2020 unverzüglich aufzuheben ist.
Für die Finanzierung ist ein jährliches Armeebudget von mindestens 5 Mrd. CHF plus reales Wachstum nötig. Das jährliche Investitionsvolumen («Rüstungsprogramm») soll (ohne Bauten) eine Milliarde Franken nicht unterschreiten. Rüstungsvorhaben werden bis jetzt über den normalen Budgetprozess abgewickelt. Allerdings könnte ein Fonds für die Armee, wie man das auch in anderen Departementen kennt, den Kauf von Kampfflugzeugen erleichtern. Flankierend sind zudem die nötigen personellen und materiellen Ressourcen zur Sicherstellung einer ausreichenden Alimentierung bei den Planungsprozessen (Investitionen) und bei der Projektabwicklung bereit zu stellen.

Schlussfolgerungen SOG
• Die gesamte heutige Kampfflugzeugflotte ist durch ein neues Mehrzweck-Kampfflugzeug zu ersetzen.
• Sechs Staffeln bzw. 70 Kampfflugzeuge bilden ein Minimum, um die integrale Luftverteidigung, inkl. Erdkampf und Aufklärung, sicherzustellen.
• BODLUV ist ein wesentlicher Bestand- teil des Gesamtsystems Armee, ohne den die Beschaffung von neuen Kampfflug- zeugen militärisch wenig Sinn macht.
• Zur Finanzierung dieser Schlüsselsysteme braucht es einerseits ein konstant hohes bzw. höheres Budget und andererseits einen Fonds für die Armee, der über die Jahre aus dem Armeebudget geäufnet werden kann.

8 Gedanken zu „Die künftige Luftwaffe – Position der SOG

  1. Beda Düggelin, Hptm u. Bttr Kdt aD

    „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, dies steht schon in Goethes Faust.
    Zum wiederholten Male ruft SOG-Präsident Stefan Holenstein zur Schliessung der Fronten und zur Durchsetzung der WEA auf. Seine Aufforderung zur Schliessung de Lücken in der Luftabwehr ist absolut zentral und dringend, doch fehlen dazu die Finanzen! So lange die Schweizer Politik und auch das VBS nicht vom „Primat der Politik“ Abschied nimmt, sind alle gutgemeinten Worte toter Buchstabe. Dies äussert sich auch in den Worten von VBS-Chef und Verteidigungsminister Guy Parmelin: „Wenn ich morgen vor dem Bundesrat eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets auf 2 Prozent verlangen würde, würden alle die Augen verdrehen und sagen, Parmelin sei verrückt.“ Warum ist unser Verteidigungsminister nicht verrückt?… Muss man die geopolitische Lage und die Realität ignorieren, um glaubwürdig zu sein? Wenn die Schweizer Politik nicht alsbald aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, könnte sie einst unsaft geweckt werden und es könnten ihr nicht nur die Augen sondern auch der Hals verdreht werden…..!

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  2. Hans-Peter Neuweiler

    Ich teile die Meinungen und die Forderungen des P SOG fast vollumfänglich. Er übersieht aber, dass die notwendigen Beschaffungen von Kampfflugzeugen, BODLUV, der dringenden Erneuerung der Art und der Pz mit diesem Budget nicht realisiert werden kann. Die für das Rüstungsprogramm vorgesehene 1 Mia reicht nicht – deshalb ist das Budget ab 2020 so zu erhöhen, dass der C Plan und die Armee mit KFz und BODLUV eine Planungssicherheit hat.

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  3. Diego Pernici

    Per la sicurezza del nostro paese ci vuole . Poi giorno di oggi con i problemi che ci sono di diversi nazioni non si sa mai cosa passa per il loro cervello . Ci sono dei stati innaffidabili e anche i politici.Quindi meglio essere pronti per la nostra difesa del territorio e la nostra libertà.

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  4. Eugène Kohler

    Ich teile vorbehaltlos die Auffassung von Beda Düggelin. Solange der Bundesrat und ein nicht unwesentlicher Teil des Parlaments auf ihrer Fehleinschätzung der heutigen Lage in Europa beharren, wird es keine glaubhafte CH-Landesverteidigung mehr geben. Das einfältige Ausspielen der Sozialpolitik gegenüber der Sicherheitspolitik gibt sehr zu denken.

    Die Grossmächte haben die Schweiz immer nur solange respektiert, als unser Land entsprechende Anstrengungen materieller Art für seine Sicherheit (Armee, Polizei und Spezialisten) und damit auch für diejenige Europas geleistet hat. Das Völkerrecht und Neutralitätsrecht hat uns hier immer währende Pflichten auferlegt. Der Kinderglaube der Linksparteien, dass eine etwas verbesserte Entwicklungspolitik und eine grössere Anzahl Soldaten in der KFOR im Kosovo, uns den ewigen Frieden bescheren würden und damit Kriege verhindern könnten, hat sich als Top-Flop erwiesen. Damit kann m.a.W. keine effiziente Sicherheitspolitik mehr betrieben werden. Dagegen bedarf es einer grossen Kraftanstrengung der Schweiz, bei der Beschaffung von modernen Allzweckflugzeugen und der Einrichtung einer wirksamen Boden-Luftverteidigung. Dies geht einher mit der neuen Armeereform, die gegen 2022 eine qualitative Verbesserung mit sich bringen wird. Für die Schaffung einer genügenden Armeereserve muss ebenso rasch eine Lösung gefunden werden.

    Im Weiteren ist die Armeeführung wieder vermehrt bei ihren Lagebeurteilungen zu berücksichtigen und die Rolle des Generalstabs zu klären, neu zu definieren und zu festigen.

    Die Vorherrschaft von politischen Gremien gegenüber den hierzu mit Steuergeldern ausgebildeten und fachlich berufenen Spezialisten ist unverzüglich zu beenden. Es gibt zuviel ignorante Lobbyisten in Bern. Leider.

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  5. Juerg Willi (@juergwilli)

    Aber Herr Düggelin….das Primat der Politik ist einer der Grundfesten der Schweizerischen Militärpolitik. Was schwebt Ihnen vor, bei der von Ihnen propagierten Abkehr vom Primat der Politik? Eine Junta? Militärstaat?

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    1. Beda Düggelin

      Es geht nicht darum, in der Schweiz eine Militärdiktatur einzuführen, aber die Konkordanzpolitik der Schweiz versagt bei der Staatsaufgabe Nr. 1, der Sicherheitsheitpolitik! Die Regierungspartei SP, (mit zwei Bundesräten) versagt der Armee die notwendigen Kredite. Die SP will gemäss Parteiprogramm die Armee ganz abschaffen und selbst die echt bürgerlichen Exponenten im Parlament versagen der Sicherheitspolitik die Unterstützung. Damit wird die Armee kalt abgeschafft und alle sind offenbar glücklich. Nur wenn die SP sich klar und unmisverständlich für eine glaubwürdige Sicherheitspolitik einsetzt, kann wieder auf das Primat der Politik Verlass sein. Vielleicht bringen ja die gemässigten Sozialdemokraten (Jositsch und Co.) eine Umkehr, unsere Sicherheitspolitik hätte dies dringend nötig.

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  6. A. Wäger

    Ich bin mit Herrn Holenstein absolut einverstanden.
    Doch dieser Ruf nach Erneuerung verhallt in der Luft, bis in Bern nichts mehr davon zu hören ist. Jetzt haben wir buchstäblich den „Salat“.
    Alle Grossen Systeme der Armee erreichen das Nutzungsende und sind technisch total veraltet.
    Man hat all die Jahre die Armee totgespart, man hätte laufend die Systeme ersetzen müssen und nicht einfach verschrotten.
    Jetzt merkt man, oh Wunder, das es halt doch Ersatz braucht, um eine Armee einigermassen zum funktionieren zu bringen..

    Man hätte viel früher Gegensteuer geben müssen, die WEA hätte so nie angenommen werden dürfen! Das Problem fängt schon bei noch 100000 AdA’s an. Was will man denn noch mit Ca 20000 Kampftruppen??
    Im Ernstfall alle KKW’s, die Staudämme, Flughäfen, Infrastruktur und noch die Grenzen schützen? 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, über mehrere Monate?
    Alle Verteidigungsanlagen wurden abgeschafft, moderne Bison Anlagen dicht gemacht. Militärflughäfen werden geschlossen und und und..
    Es ging seit der Armee 95 nie mehr darum, die Schweiz verteidigen zu können. Es ging und geht nur noch darum, möglichst zu sparen und die Bevölkerung mit ein paar Neubeschaffungen, deren Anzahl zum Teil sehr fragwürdig sind, bei Laune zu halten.
    Sorry, mit dem was wir jetzt haben, ist die Armee untauglich. Nicht in einer kurzfristigen Krise, aber in einer mittelfristigen.

    Es muss eine komplette Kehrtwende einkehren. Die Soldaten müssen aufgestockt werden, das Material ersetzt und die Systeme auf ein sinnvolles Level gebracht werden..

    Macht es richtig, oder lasst es bleiben..

    Ich hoffe, die SOG zeigt Widerstand, wenn es darum geht, die Armee nicht noch mehr an die Wand zu fahren…

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  7. Jürg Heilig

    Vielleicht eine etwas gewagte Theorie. Ist die Luftsicherheit, die Aufklärung, Polizeiarbeit in der Luft und evtl. Terrorabwehr (z.durch Drohnen) usw. nicht möglicherweise mit dem famosen
    PC 21 Pilatus, natürlich bewaffnet und taktisch aufgerüstet, zu machen ? Ich denke, dass dieser Flieger weit unterschätzt wird.

    Wir sind ja kein Land das hunderte von Küstenkilometern gegen Kriegsschiffe verteidigen muss. Der PC 21 hat mit seiner Wendigkeit seinen kurzen Start und Abflugwegen durchaus auch Chancen gegen schnellere und effektivere Waffensysteme zu bestehen. Eine Ausrüstung mit Luft/Luft Raketen modernster Bauart dürfte möglich sein.

    Dazu kommt, “ Jeder Angreifer muss ja zuerst die umliegenden Staaten überfliegen ! Ein Angriff von östereich oder Deutschland usw. ist kaum zu erwarten. In den vergangenen Jahren hätte auch ein angepasster PC 7 oder 12 gereicht unsere Lufthoheit zu behaupten.

    UND das wäre wesentlich billiger gewesen.

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