Junge Männer, alte Männer, Gräben

Aus soziologischer Sicht sind an Kriegen immer junge Männer als Einsatzkräfte im Auftrag von machtgierigen, alten Männern beteiligt. Sie entfalten sich, wenn Gesellschaften tiefe Gräben aufweisen, die sich entlang von Religionen, Ethnien, Sprachen, Ressourcen oder unterschiedlich entwickelten Kulturen bilden und allseits ohnmächtige Bürgerinnen und Bürger hinterlassen.
Beitrag von Oberst i Gst Christoph Grossmann, Präsident Kommission ASMZ

Europa ist auf 240 Grad von Land umgeben, auf 120 Grad von Wasser. Inzwischen befinden sich die angrenzenden Regionen des Landabschnitts in Krisen. Das erinnert an die vollständige Umzingelung der Schweiz im zweiten Weltkrieg. Diesmal jedoch ist die Schweiz von friedlichen Nachbarn umgeben und die Grenze zu den Konflikten ist auf einen grösseren konzentrischen Ring nach aussen verschoben. Vernebeln die Nachbarn der Schweiz die Sicht?

Ein weiteres Mal diskutiert die politische Schweiz über ein Massnahmenpaket zur Weiterentwicklung der Armee. Der Bundesrat liess Meinungen zusammentragen und schlägt statt eines kräftigen Kräutertees eine ziemlich wässrige Brühe vor, wie sie halt entsteht, wenn man zu viele Getränke mischt und sich dann nur noch mit Verdünnung der Ungeniessbarkeit  entziehen kann.

Dabei ist die Armee mit besten Verfassungsvorgaben versehen. Der Bürger selbst soll sich für seine Freiheit einsetzen und zur Abhaltewirkung durch Verteidigungsbereitschaft beitragen – nebenberuflich, da es sich ja nicht um eine permanente Aufgabe handeln soll. Dies bringt Authentizität, Modernität und Legitimation für eine Armee. Daher Wehrpflicht für Ausnahmesituationen mit ausserordentlichen Mitteln. In  der aktuellen Runde liegt der Ball nun beim Parlament, welches mit einer einfachen Frage prüfen kann, ob die einzelnen Massnahmen sinnvoll sind: Wird die Verteidigungsbereitschaft erhöht? Man darf gespannt sein, ob lichte Momente der Parlamentsdebatte den Nebel darüber zu lüften vermögen.

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